Ich habe mich mit Judy gestritten. Als wir uns gestern Nachmittag im Park getroffen haben, wie so oft in letzter Zeit, fing ihr Kleiner auf einmal an zu ‚quängeln’: Er kann ja noch nicht wirklich sprechen, aber er hat eben mit Gesten, Lauten und einigen Tränchen verständlich gemacht, dass er wohl nach Hause möchte. Ihr müsst wissen, Mike – so heißt der Kleine — ist schon ein bisschen älter als unsere Luisa: Bald feiert er seinen ersten Geburtstag. Und damit ist er ja genau in dem Alter, in dem Kinder immer mehr ihren eigenen Willen entwickeln. Judy bekommt das wohl im Moment zu spüren. Ich glaube, Mike hält sie ganz schön auf Trab. In letzter Zeit wirkt sie oft abgespannt und übermüdet. Aber das ist kein Grund, sein Kind anzubrüllen. Genau das hat Judy nämlich getan, als Mike nach einigen Tröstungsversuchen nicht nachgab und sogar anfing, richtig heftig zu weinen. Der Kleine war ganz verstört, könnt ihr euch das vorstellen? Judys Brüllerei hat natürlich nichts besser gemacht und das habe ich ihr auch gesagt. Sie hat gar nicht mehr aufgehört, Mike anzuschreien. So kann sie doch nicht mit ihrem Kind umgehen! Sie hat richtig eingeschnappt, reagiert, als ich ihr das gesagt habe, und meinte, ich müsse ihr nicht sagen, wie sie mit ihrem Kind umzugehen hat. Aber ich denke, dass man in solchen Situationen ruhig eingreifen sollte, findet ihr das nicht auch? Schließlich können sich die Kleinen ja noch nicht wehren.
Jetzt sitze ich hier zu Hause, wo ich auch den Rest des Tages verbringen werde und muss sagen, dass mich wieder ein wenig das Heimweh überkommt. Judy war hier bisher einer meiner engsten Kontakte und ich war froh über unsere regelmäßigen Treffen. Aber nach dem Erlebnis gestern hat sie sich nicht wieder bei mir gemeldet und auch mir ist es unangenehm, sie anzurufen. Naja, vielleicht werden sich die Wogen ja bald wieder glätten.